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Der Hirnschrittmacher bei Depressionen, Tourette und Parkinson?

Ein Patient bei dem ein EEG gemacht wird Dass ein Herzschrittmacher (Hirnschrittmacher) dem müden Herzmuskel auf die Sprünge helfen kann, ist allgemein bekannt. Doch nicht nur das Herz profitiert von einem Schrittmacher, sondern auch das Gehirn. Besonders für Patienten, die unter Depressionen oder Morbus Parkinson leiden, kann ein Hirnschrittmacher der letzte Ausweg sein, wenn andere Therapieformen versagen.

Die Erfolge klingen fast unglaublich. So wird von einem ehemals schwer depressiven Patienten berichtet, der direkt nach der Aktivierung des Hirnschrittmachers den unmittelbaren Wunsch verspürte, endlich wieder etwas zu unternehmen.

Während die Anwendung des Hirnschrittmachers bei depressivem Patienten noch am Anfang steht, ist die Behandlung des typischen Zitterns bei Parkinson-Patienten schon eine ernstzunehmende Therapie-Option.

Gehirn unter Strom

Die Implantation eines Hirnschrittmachers kommt in Betracht, wenn andere Behandlungsmethoden nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Versagen die medikamentöse Therapie oder die Verhaltenstherapie, wird versucht, die Krankheit am Ort des Geschehens zu beeinflussen: im Gehirn.

Krankheitsauslöser im Gehirn sind gestörte Regelkreise. Ziel des Hirnschrittmachers ist es, eben diese Regelkreise durch elektrische Impulse zu stimulieren. Während der Schrittmacher unter die Brustmuskeln oder das Schlüsselbein implantiert werden kann, sorgen die direkt im Hirn platzierten Elektroden dafür, dass das Gehirn buchstäblich unter Strom gesetzt wird, sobald der Schrittmacher aktiviert wird. Das erklärt auch den unmittelbaren Behandlungserfolg, wenn diese Methode die geeignete ist.

Hirnschrittmacher: nicht frei von Risiken

Ein Arzt schaut sich den MRI Scan an Die alte Binsenweisheit, dass jede Wirkung eine Nebenwirkung nach sich ziehen kann, gilt natürlich auch für den Hirnschrittmacher. Noch ist es den Wissenschaftlern nicht gelungen, die genaue Funktionsweise des Gehirns erschöpfend zu erforschen und aus diesem Grund stehen nicht alle Fachleute dieser Methode – die die Hirnfunktion maßgeblich beeinflusst – positiv gegenüber.

Der Patient selbst kann durch die Tatsache verunsichert werden, dass seine Emotionen nun von Elektroden manipuliert werden. Zudem wird von Parkinson-Patienten berichtet, die Entscheidungen plötzlich nur noch sehr impulsiv treffen können, anstatt ruhig darüber nachzudenken. Und natürlich gilt auch für die Implantation des Hirnschrittmachers das gleiche Operationsrisiko, wie für jeden anderen chirurgischen Eingriff. 

Hirschrittmacher – eine steile Karriere?

Weltweit sollen mittlerweile an die 50.000 Menschen einen Hirnschrittmacher tragen. Gemessen an der Zahl der Erkrankungen klingt diese Zahl verschwindend gering, allerdings ist diese Therapie auf den ersten Blick auch deutlich kostspieliger als herkömmliche Therapiemethoden.

Geht es nicht nur um die Heilung von Krankheiten, sondern um die Steigerung des menschlichen Potenzials, dürfte die Tendenz, einen Hirnschrittmacher einzusetzen wohl im Steigen begriffen sein. Wie so oft ziehen anfängliche Erfolge den Wunsch nach weiteren nach sich. Schon werden erste Stimmen laut, die darüber spekulieren, warum es mittels Hirnschrittmacher nicht auch möglich sein sollte, ein gesundes Gehirn in einen Zustand der Dauer-Euphorie zu bringen.

Ob Pläne dieser Art wünschenswert sind, bleibt dahingestellt. Setzt sich diese Therapieform jedoch durch, können sich zahlreiche an Parkinson und Depressionen erkrankte Menschen endlich wieder über eine gesteigerte Lebensqualität freuen.

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