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Vom Mausarm bis zum Handy-Nacken:

Krank durch Smartphone & Computer

Moderne Technik hat ihre Tücken: Repetitive Strain Injury nennen sich gut neudeutsch die schmerzhaften Folgeerscheinungen der Bedienung von Handy, Mouse & Co.

Ein Mann tippt und zoomt auf seinem Smartphone.

RSI-Syndrom: Schlecht für Gelenke und Nacken, die monotone Nutzung von Smartphones & Co. kann krank machen.
Bild: © fotolia.de

Starke Nackenschmerzen, Entzündungen im Daumengelenk, Kopfweh: Ärzteverbände schlagen Alarm und weisen auf stark anwachsende Zahlen bei Erkrankungen von Nerven, Sehnen und Muskeln hin. Grund dafür ist unsere moderne Medienlandschaft und vor allem des Deutschen liebstes Kind, das Smartphone.

Der Blick aufs Smartphone strapaziert den Nacken

Bereits rund 37 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland begeben sich mittels Smartphones und Tablet-PCs online und jeder kennt die typische Haltung dabei: Der Kopf wird stark gesenkt, um den Blick nach unten auf den kleinen Bildschirm zu richten. Die ständige Fehlhaltung bekommt der Nackenmuskulatur nicht gut und starke Verspannungen sind die Folge, Nacken- und Kopfschmerzen plagen.

In verantwortungsvollen Betrieben wird immer stärker auf ergonomische PC-Arbeitsplätze geachtet, doch im privaten Bereich werden warnende Worte und Empfehlungen ignoriert und die Weichen dafür gestellt, dass in ein paar Jahren die Bezeichnung „Repetitive Strain Injury“ (RSI) kein Fremdwort mehr für die breite Bevölkerung ist.

RSI-Syndrom als Folge ständiger monotoner Bewegungen

Wieder und wieder ausgeführte gleichförmige Bewegungen sind es, die zum RSI-Syndrom führen. Monotone Bewegungen am Fließband, gleichförmige Bewegungen bei der Arbeit an der Supermarktkasse oder die schnellen Bewegungen von Gebärdendolmetschern gehören zu den Tätigkeiten, die das Risiko für RSI in sich tragen.

Doch auf keinem Gebiet haben sich so rasant Krankheitsfälle entwickelt wie im Bereich der privaten Internetnutzung. Bereits vor rund zehn Jahren wurde der Begriff SMS-Daumen zu einer gängigen Diagnose bei schmerzenden Daumengelenken und in Magazinen und Reportagen tauchte das Schreckgespenst einer Gesellschaft mit arthritischen Daumen auf.

Bei den vielen minimalen Bewegungen des Daumens über die Tastatur entzünden sich die  überbelasteten Sehnen, doch die hilfreiche Durchblutung wird so gut wie nicht angeregt.

SMS-Abstinenz ist die einzig wirkungsvolle Therapie bei einer schmerzhaften Erkrankung, unterstützt von Bandagen und entzündungshemmenden Salben.

Das Handy: Herausforderung für viele Gelenke

Wer den Daumen schonen will und zum Dauertelefonieren ausweicht, begibt sich von einer Gefahr in die nächste: Der Handy-Ellenbogen droht, hervorgerufen durch das ständige Anwinkeln des Armes, um das mobile Gerät ans Ohr zu halten.

Headsets und Freisprechanlagen sollten die Lösung für Vielsprecher sein. Doch auch ohne dass ein iPhone zur Kommunikation genutzt wird, kann es Ursache für ein RSI-Syndrom sein: Die sogenannte iPhone-Schulter mit starken Gelenkschmerzen entsteht durch fortdauernde unnatürliche Haltung, wenn das Smartphone zum Anschauen von Videos mit der Hand in die richtige Lage gebracht und mit derart verdrehtem Schultergelenk gehalten wird.

Vertrauen auf die Evolution?

Während Mediziner und Therapeuten die Öffentlichkeit für die Gefahren der übermäßigen Smartphone Nutzung sensibilisieren wollen, reagieren viele Jugendliche in Foren und Facebook locker und unbekümmert auf die Warnungen: Die Evolution habe gezeigt, dass der menschliche Körper sich mit der Zeit auf neue Herausforderung einstellt und entsprechende Anpassungen vornimmt. Da müsse man jetzt durch, in zwei bis drei Generationen sei der Körper Smartphone-kompatibel…

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