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Versorgungslücken:

Pflegefälle nehmen dramatisch zu

Wie eine aktuelle Studie der R+V Versicherung zeigt, ist in den nächsten Jahren mit einer dramatischen Zunahme von Pflegefällen zu rechnen.

Ältere Person mit einem Gehwagen wird von einer Pflegekraft gestützt.

Pflegevorsorge: Lediglich 2% der Deutschen haben eine Pflegefall-Zusatzversicherung abgeschlossen. Bild: © fotolia.de

Nach aktuellen Umfragen haben derzeit rund zehn Millionen Deutsche eine pflegebedürftige Person in der Familie. Die R+V Versicherung nutzte in diesem Zusammenhang eine Umfrage des Allensbach-Institutes als Grundlage, um Prognosen für die Zukunft abzugeben. Demnach soll sich die Zahl der Pflegefälle in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln. Experten bezeichnen die Aussicht als eine Herausforderung für Angehörige und Sozialsystem.

Frauen sind vermehrt betroffen

Sowohl unter den pflegenden Menschen als auch unter den pflegebedürftigen befinden sich deutlich mehr Frauen als Männer. Laut Studie ist die typische Pflegende 61 Jahre alt und verheiratet. Zudem hat sie zwei erwachsene Kinder, ist nicht berufstätig und pflegt schon länger als drei Jahre. Behält man den Blick weiter auf den statistischen Zahlen, so sind insgesamt nur 42% der pflegenden Frauen  überhaupt berufstätig, überwiegend in Teilzeit. Das Problem ist schnell ersichtlich: Als „alleinpflegende“ Frau wird es schwierig die finanzielle Situation zu meistern. Denn mehr als die Hälfte der Befragten muss sich drei Stunden und mehr pro Tag um die pflegebedürftige Person kümmern. Auch 37% der berufstätigen Frauen sind gezwungen diese Zeit aufzubringen. Für zwei Drittel bedeutet dies eine psychisch starke bis sehr starke Belastung, ganze 40% sehen ihre Partnerschaft durch die Pflege belastet.

Finanzierung der Pflege ist häufiges Problem

Um die Pflegesituation auch finanziell im Griff zu behalten, fordern über 60% der befragten Frauen, die Pflege und den Beruf besser zu vereinbaren. 78% erwarten dabei Unterstützung durch den Staat, 55% von dem Unternehmen, in dem sie arbeiten. Viele Frauen planen bei einem bevorstehenden Pflegefall auf das Ersparte zurückzugreifen. 61% setzen ihr Vertrauen auf das Geld der Pflegeperson, 34% auf das eigene Sparbuch und rund 33% erwarten finanzielle Unterstützung von anderen Angehörigen, wie beispielsweise von den Kindern. Trotz Unterstützung rechnet ebenfalls ein knappes Drittel damit, sich aufgrund der Pflegekosten finanziell einschränken zu müssen.

Experten sehen Schwierigkeiten für die Zukunft

Nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherung hätten nur rund 2% der deutschen Bürger eine private Zusatzversicherung für den Pflegefall abgeschlossen. Ein Problem, wie die Vertreter der Versicherung meinen, doch muss man sich diese Zusatzversicherung erst einmal leisten können. Denn das einzige was sicher steigt, sind nicht die Bezüge, sondern die Abgaben und die Preise für Konsumgüter. Da mag es auf dem Papier vielleicht sinnvoll sein, so viele Zusatzversicherungen abzuschließen wie nur möglich, aber bezahlbar ist dies für die breite Masse nicht automatisch. Die Aussage, dass das Thema Pflege eine tickende Zeitbombe sei, mag durchaus richtig sein, aber der Verweis auf teure Privatversicherungen sicherlich keine Lösung des Problems. Auch Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sieht die Schwierigkeit und bezeichnet die Pflege als immer größere Herausforderung für das soziale Sicherungssystem. In diesem Zuge kann man nur hoffen, dass sich die Gesetzgebung dieses Themas auch ernsthaft annimmt und nicht nur schulterzuckend auf Privatversicherungen verweist.

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Über Stephan Lenz

Stephan Lenz studierte Philosophie, Soziologie und Anglistik an der Universität Mannheim. Es folgten schriftstellerische Fortbildungen und die freiberufliche Arbeit als Autor und Journalist. Neben unzähligen Artikeln in diversen Magazinen, veröffentlichte er Prosa im Charon Verlag, Hamburg, sowie im Wortkuss-Verlag, München. Er gehört seit vielen Jahren zum festen Stamm der Redaktion des Artikelmagazins.
  • Thomas Ludolph

    Die Finanzierung der Pflege wird sich in den nächsten 10-20 Jahren zu einem dramatischen Problem entwickeln. Die von der Bundesregierung ab 2013 eingeführte geforderte Pflegezusatzversicherung wird daran wenig ändern. Die demographische Entwicklung unserer Bevölkerungsstruktur ist sehr Altenlastig.