Startseite / Gesundheit / Ratgeber / Wie lässt sich die Compliance von Patienten erhöhen?

Therapietreue:

Wie lässt sich die Compliance von Patienten erhöhen?

Mangelnde Therapietreue von Patienten hat ernste Folgen. Welche Strategien helfen, die Behandlungspläne korrekt umzusetzen?

Ärztin erklärt dem Patienten wie er das Medikament einnehmen muss.

Ärztin und Patient im Dialog: die Therapietreue entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Therapie. Bild: © fotolia.de

Der perfekte Patient übernimmt Verantwortung für sich und seine Erkrankung, setzt therapeutische Ratschläge um und fragt immer nach, wenn etwas nicht klar ist. Ein auf diese Weise kooperierender Mensch ist zu 100 Prozent compliant, also therapietreu. Da auch Mediziner keine Unmenschen sind, reicht es ihnen aber, wenn 80 Prozent ihrer Empfehlungen umgesetzt werden – dann ist der Compliance genüge getan, die Therapietreue ist aus ihrer Sicht gut. In der Realität aber ist Non-Compliance viel häufiger, nämlich bei zwei Drittel der Patienten. Sie halten sich eben nicht an die heilenden Ratschläge – mit dem Effekt, dass die Therapie schlechter oder gar nicht wirkt, Folgeerkrankungen auftreten, das Gesundheitswesen belastet wird.

Wie sieht Non-Compliance aus?

In der Praxis sieht Non-Compliance so aus: Patient A. weilt im Ausland und fühlt sich krank. Womöglich findet er im unbekannten Versorgungssystem nicht die richtige Anlaufstelle für sein Problem. Außerdem hat ihm keiner gesagt, dass das verschriebene Medikament erst nach drei Wochen wirkt – also setzt er es nach einer Woche ab, es zeigt ja schließlich keine Wirkung.

Patient B. hat nicht genug Geld für die anfallenden Zuzahlungen und löst ihr Rezept gar nicht erst ein.

Patient C. findet, dass er sich im Urlaub eine Therapiepause gönnen kann. Ohne den gewohnten Alltag fällt es ihm auch schwer, an die logopädischen Übungen zu denken und hier kennt ihn ja auch keiner. Was macht es da schon, wenn er weiterhin stottert? Als er wieder zu Hause ist, sind die Übungen längst vergessen.

Patient D. hat zwar alle Medikamente zu Hause, allerdings handelt es sich um sieben verschiedene Tabletten. Einige davon soll sie teilen, andere auf keinen Fall. Sie soll sie auf nüchternen Magen nehmen, vor dem Essen, danach oder dazu. Und die rosa Tablette täglich zur gleichen Zeit. Sie verliert den Überblick und nimmt nur dann was, wenn es ihr einfällt und holt dann meist die verpassten Tabletten nach.

Wie kann man die Compliance von Patienten beeinflussen?

Die Therapietreue von Patienten zu verbessern ist für alle Beteiligten hilfreich: Der Patient ist gesünder, der Arzt kann sich anderen Patienten zuwenden, die Krankenkasse hat weniger Ausgaben, der Arbeitgeber zahlt weniger Krankengeld, die Rentenversicherung weniger Rehabilitation. Allerdings ist Non-Compliance eine komplexe Angelegenheit und erfordert individuelle Strategien, die meist während der gesamten Behandlungszeit überprüft werden müssen.

Die wichtigste Maßnahme auf dem Weg zur Compliance ist zweifellos Information. Ein Patient, der möglichst gut über sein Krankheitsbild und die Folgen von Behandlung und Nichtbehandlung aufgeklärt ist, wird schneller aufmerksam, wenn etwas nicht stimmt und kann entsprechend handeln. Dabei müssen diese Informationen nicht unbedingt vom Arzt vermittelt werden. Auch das Eigenstudium von Literatur ist dazu der geeignet, ebenso wie der Kontakt zu anderen Betroffenen – hier gibt es meist sogar Tipps mit mehr Praxisnähe. Das gilt allerdings auch in die andere Richtung – der betreuende Therapeut muss wissen, welche Pläne funktionieren und wo Schwierigkeiten auftreten. Das geschieht am ehesten über einen ehrlichen und partnerschaftlichen Austausch zwischen Arzt und Patient. Dabei werden gemeinsam sinnvolle Behandlungspläne entwickelt und Probleme besprochen. Das wiederum fördert die Selbstwirksamkeit des Patienten – wer davon überzeugt ist, für sich sorgen zu können, wird es auch eher tun.

Hilfsmittel, um die Compliance zu fördern

Es gibt aber auch ganz banale Hilfsmittel zur Verbesserung der Compliance. Mit ihnen verschwinden einige Probleme sofort und zuverlässig. In sogenannten Pillenboxen werden alle Medikamente für einen Tag oder eine Woche vorsortiert – so hat man immer einen Überblick, was schon genommen wurde. Die flächendeckende Versorgung mit Kommunikationstechnik macht es möglich: Vorher gespeicherte Alarme oder SMS erinnern an Tabletteneinnahme, Durchführen von Entspannungsübungen oder das Überprüfen der Körperhaltung. Therapiemaßnahmen lassen sich auch prima mit bestimmten Handlungen verknüpfen – Tablettendose neben der Zahnbürste, Turnschuhe neben dem Kühlschrank, die Gymnastikmatte auf der Flurgarderobe.

Wenn es um Medikamente geht, können auch Apotheken helfen. Im Rahmen von Studien in mehreren europäischen Ländern ist nachgewiesen worden, dass die Compliance steigt, wenn der Apotheker eine Pharmazeutische Betreuung anbietet – also Aufklärung leistet, Medikationen überprüft und als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Fragen Sie nach, ob die Apotheke Ihres Vertrauens solche Angebote bereithält.

© Pixel Trader Ltd. 2013 Alle Rechte vorbehalten

Über Manuela Käselau

Manuela Käselau ist Physiotherapeutin und Shiatsu-Praktikerin (GSD). Parallel studierte sie Phonetik, Niederdeutsche Linguistik und Systematische Musikwissenschaft an der Universität in Hamburg. Als freie Autorin schreibt sie für diverse Online- und Printmedien, hauptsächlich im medizinischen Bereich. Seit 2012 ist sie ein Mitglied der Redaktion.