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Mangas – Die japanischen Kult-Comics

Mangas die Comic Kultfiguren aus JapanWährend viele genervte Eltern das Wort „Dragonball“ vielleicht schon nicht mehr hören können, fühlen sich ganze Jugendgruppen hingegen pudelwohl in ihrer Welt mit den japanischen Comichelden. Und auch ganz in japanischer Tradition werden die vorwiegend schwarz-weißen Comicbücher von rechts nach links nicht nur gelesen, sondern verschlungen. Während die japanischen Künstler fleißig neue Comics produzieren, wollen wir hier ein kleines Bild der großen Manga-Welt zeichnen.

Comic-Kultur aus Fernost – Die modernen Mangas

Der Begriff Manga bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie „ungezügeltes, zwangloses Bild“ und wird in Japan für alle Comics, kürzere Comicstrips oder auch Karikaturen verwendet. Die strenge Begriffsabgrenzung der Mangas gegenüber anderen Comics findet vorwiegend außerhalb Japans Anwendung. Maßgebend bei der Bezeichnung ist sowohl der Stil als auch die Herkunft der phantasiereichen Bildergeschichten. So gelten vor allem bei Fans wirklich nur Comics aus japanischer Hand mit typischem Stil als Mangas, während koreanische Comics als Manhwas und solche chinesischer Herkunft als Manhuas bezeichnet werden. Gerade während der Hochphase in Deutschland, als sich eine große Fan-Schar um die japanischen Mangas scharte, bezeichneten viele Comicverlage auch nicht-japanische Werke als Manga, was bei vielen Liebhabern allerdings nicht immer auf große Gegenliebe stieß.

In Deutschland wurden schon ab dem Jahre 1982 unregelmäßig erste Mangas aus Japan veröffentlicht. Diese wurden allerdings an die westlichen Lesegewohnheiten angepasst, meist in großformatige Bände aufgeteilt und wie gewohnt für Europäer auch von links nach rechts gelesen. Erst 1992 erschien im Okawa-Verlag eine dreibändige Serie, die in ihrer Originalform veröffentlicht wurde, sprich im kleinen Buchformat, das von rechts nach links gelesen werden musste. Für viele Leser sicherlich ungewohnt, aber auch ein Signal für einen neuen Kult, der nur 4 Jahre später mit der unverfälschten Veröffentlichung der bekannten Dragonball-Serie seinen Lauf nehmen sollte. Mit dem Carlsen Verlag hatte Dragonball einen großen, erfahrenen Comic-Verlag im Rücken und das schnelle Gewinnen vieler Fans ebnete endgültig den Weg für einen Siegeszug der Mangas in Deutschland.

Während die älteren Herren der Comicwelt wie Superman, Spiderman oder Batman vorwiegend die männlichen Leser ansprachen und schon beinahe eine patriarchische Domäne für Comics schufen, konnten die Mangas auch sehr viele weibliche Leser für sich gewinnen. In Japan gab es bereits seit langen Jahren eine Vielzahl an Mangas, die sich mit ihrem Stil und ihrer Thematik sogar ausschließlich an weibliche Leser richteten – ein Trend, der in Deutschland nicht lange auf sich warten ließ. Auch hierzulande wurden die „Mädchen“-Mangas rasch veröffentlicht und fanden ebenso schnell eine große Anhängerschaft. Der große Erfolg der japanischen Mangas zog einen regelrechten Boom nach sich. Neue Verlage schossen aus dem Boden wie Pilze und spezialisierten sich auf die beliebten Comics aus Japan, die in der Folgezeit auch beachtlichen Absatz fanden. Bis heute ist die Faszination an den japanischen Comics ungebrochen und selbst die Frankfurter Buchmesse bietet den Mangas einen eigenen Bereich.

Und was ist mit Hentai? – Mangas für die großen Buben

Mangas zeichnen ist nicht so schwerObwohl auch bei den Mangas für den vorwiegend eher jugendlichen Massenmarkt schon durchaus ernste und düstere Themen verarbeitet werden, gibt es auch für die erwachsene Leserschaft ganz spezielle Veröffentlichungen – die Hentais, was übersetzt etwa „Abweichung“ bedeutet. In den Hentais erleben die Comichelden unter klar sexuellem Vorzeichen etwas frivolere Abenteuer. Da explizite Pornographie in Japan aber bis heute verboten ist, weichen viele Hentais oftmals auf für westliche Augen absurd erscheinende Motive aus. So finden sich in vielen Comics für Erwachsene beispielsweise sexuelle Darstellungen phallussymbolisierenden Tentakeln. Aber auch ansonsten bewegen sich viele Hentais im Grenzbereich des Möglichen, nicht zuletzt weil die japanischen Gesetzte in dieser Hinsicht recht schwammig formuliert waren und für den Rest der Welt teils unverständliche Schlupflöcher boten. Besonders das Alter vieler dargestellter Comicfiguren wurde zum heftig diskutierten Kritikpunkt. So war es bis vor einigen Jahren gang und gäbe, dass sexuelle Darstellungen deutlich minderjähriger Akteure in den Hentais zu finden waren, woraus sich auch die Richtung des sogenannten Lolicon entwickelte, ein Wortkürzel für Lolita Komplex. Auf internationalen Druck hin verschärfte Japan dann schließlich die entsprechenden Gesetze.  Andere ungewöhnliche Themen, die sich vorwiegend aus dem Fetischismus oder Voyeurismus bedienen sind allerdings weiterhin stark verbreitet, aber dürften sich in Japan nach wie vor größerer Beliebtheit erfreuen als in unseren Breitengraden.

Einfach mal selbst gemacht – Das Doshinji

Bei den Manga Fans handelt es sich um eine ausgesprochen aktive Anhängerschaft, die nicht nur gerne die Zeit mit dem Lesen der Comics verbringt, sondern auch selbst welche zeichnet. Diese eigenen Comics, die Doshinjis, entstehen dann meist mithilfe bereits bekannter Comicfiguren, die kurzerhand in neue Abenteuer geworfen werden und nicht selten von sexueller Natur sind. Insgesamt entstehen aber durchaus ansehnliche Mangas, die sich neben den kommerziellen Veröffentlichungen einer ebenso großen Beliebtheit erfreuen. Denn ein Doshinji ist keineswegs nur für den eigenen Bedarf gedacht oder um es hin und wieder mal ein paar Freunden zu zeigen, sondern kann in eigens dafür vorgesehenen Magazinen veröffentlicht werden. Hier findet sich übrigens auch der Namensursprung, denn Doshinji setzt sich aus doshin und zasshi zusammen, was sich mit „Zeitschrift von und für Gleichgesinnte“ übersetzen lässt.

Wenn Mangas zum Leben erwachen – Die Anime

Als die Bilder laufen lernten entstand der Film und als die Mangas es den Bildern gleich taten, der Anime. Animes sind nicht mehr und nicht weniger als animierte Mangas, die entweder als Fernsehserie oder auch als Kinofilm Jung und Alt erfreuen. Während das jüngere Publikum fast täglich an Serien wie Dragonball oder Sailor Moon haftete, wusste der vielbeachtete Anime Kinofilm Akira die etwas älteren Zuschauer zu beeindrucken. Doch welche Zielgruppe auch immer angesprochen werden sollte, erlebte der Anime zusammen mit der Manga Kultur eine wahre Blütezeit und ist heutzutage auch aus der deutschen Kultur nicht mehr wegzudenken. Im Jahre 2007 startete mit Animax dann auch im deutschen PayTV Sonys großer Fernsehsender, der ausschließlich Animes ausstrahlte. Mittlerweile wurde das Programm zwar um einige Sendungen erweitert, trotzdem bleibt der Sender Pflicht für jeden Anime-Fan.

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