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Neue Deutsche Härte:

Rammstein – Ein Mensch brennt

Till Lindemann - Rammstein Performance - Konzert im Madison-Square-Garden in New-York 2010Die Teutonen-Rocker Rammstein haben mit ihrem Debütalbum „Herzeleid“ im Jahre 1995 nicht nur für Aufsehen in der Musikwelt gesorgt, sondern ganz nebenbei auch eine Stilrichtung geprägt, die noch viele Nachahmer finden sollte und noch heute in aller Munde zu finden ist: die Neue Deutsche Härte. Doch Rammstein wissen nicht nur mit ihrer brachialen Musik zu begeistern, sondern sind auch hin und wieder für einen Skandal zu haben.

Band-Historie

Gegründet wurden Rammstein im Jahre 1994 von Sänger Till Lindemann, Gitarrist Richard Kruspe, Bassist Oliver Riedel und Schlagzeuger Christoph Schneider. Nur kurze Zeit später kamen der zweite Gitarrist Paul Landers und der Keyboarder Flake Lorenz hinzu. An dem Line-up hat sich bis heute nichts geändert.

Zu Beginn spielten Rammstein vor nur kleinem Publikum, was sich aber schnell ändern sollte. Als Vorgruppe von Szenegrößen, wie Project Pitchfork und Sandow in Deutschland oder auch der beliebte Crossover-Metaller Clawfinger auf internationalem Boden, spielten sich die 6 Wahl-Berliner in die Herzen der Zuhörer.

Harte Sounds und rollendes „R“ – Die Musik

Der Begriff der Neuen Deutschen Härte wurde in Anlehnung an die Neue Deutsche Welle der 1980er Jahre von Musikjournalisten geschaffen, die damit ziemlich treffend das Album „Herzeleid“ der Berliner Rockband Rammstein beschrieben. Obwohl sich auch die deutsche Band „Oomph!“ zur etwa gleichen Zeit mit einem ähnlichen Musikstil beschäftigte, war es der schnelle, kommerzielle Erfolg Rammsteins, der sich für die Schöpfung des „neuen“ Musikgenres verantwortlich zeichnete. Die Neue Deutsche Härte hatte zwar keine Bildung einer eigenen Jugendkultur zur Folge, fand aber viele Anhänger sowohl in der Metal- als auch in der Schwarzen Szene.

Musikalisch haben sich Rammstein seit ihrem Debut-Album zwar durchaus verändert, sind ihrer Linie aber treu geblieben harte, stampfende Klänge mit zweideutigen Texten zu verbinden. Schwere, monotone Gitarrenriffs werden mit elektronischen Elementen verknüpft und von kalten Rhythmen getragen. Der Stil wird gerne als Mischung aus Hard Rock, Alternative Metal, Deutschrock und Elektro beschrieben. Gerade in den frühen Alben finden sich aber auch einige exotische Instrumente wieder und Einflüsse aus anderen Musikstilen.

Als Markenzeichen im Gesang hat sich das rollende „R“ des Sängers Till Lindemann schnell zum Markenzeichen entwickelt. Vordergründig sind die Texte der Band ebenso brachial, wie ihre Musik, lassen allerdings viel Spielraum zur Interpretation und weisen teilweise starke Parallelen zu bekannten literarischen Vorbildern, zum Beispiel von Bertold Brecht auf. Thematisch drehen sich die Lyrics oftmals um Sado-Masochismus und Gewalt, was besonders den Jugendschützern zunehmend Kopfzerbrechen bereitete.

Kein Popgrüppchen – Eine Band mit Ecken und Kanten

Während viele Pop-Acts nur ein Schaulaufen für ihre Produzenten veranstalten, haben Rammstein von Beginn an für Kontroversen in der Musikwelt gesorgt. Schon der Name der Band geht auf das pfälzische Ramstein zurück, wo sich eine US-Militärbasis befindet und 1988 ein schweres Unglück ereignete. Während einer Flugshow kam es dort zur Katastrophe als zwei Flugzeuge in der Luft zusammenstießen und in die Zuschauermenge stürzten. 70 Tote und etwa 1000 Verletzte waren die tragische Folge des Unfalls.

Rammstein - Echo Award Gewinner 2011Auch die Texte der Band sorgten wie bereits erwähnt immer wieder für den einen oder anderen Aufreger, vor allem unter den Jugendschützern. So wird Rammstein des Öfteren Gewaltverherrlichung vorgeworfen und einige Lieder der Band haben es gar auf den Index jugendgefährdender Medien geschafft. Als Rammstein-Fans bekannten sich Ende der 1990er Jahre auch die zwei US-Amerikanischen Amokläufer, die in einer Schule in Littleton ein Blutbad anrichteten und damit erneute Diskussionen um die Band entfachten.

Das aktuelle Album „Liebe ist für alle da“ brachte erneut Wirbel mit sich. Das Original Musikvideo zu dem Song „Pussy“ enthält nämlich pornographische Darstellungen und musste für Musiksender zensiert werden. Auch das Album selbst wurde auf Antrag des Bundesfamilienministeriums indiziert. Grund war der Titel „Ich tu dir weh“ und ein Foto im Artwork des Albums. Rammstein begegneten der Zensurmaßnahme mit Unverständnis und wehrten sich gegen die Indizierung, die in Folge zunächst wieder vom Index der jugendgefährdenden Medien entfernt wurde.

Durch die harten Texte der Band wurde Rammstein auch immer wieder in Zusammenhang mit dem Rechtsextremismus gebracht. Besonderes Augenmerk erhielt zudem das Musikvideo zu „Stripped“, das viele Bilder der olympischen Sommerspiele von 1936 enthält, gefilmt von der nationalsozialistischen Filmemacherin Leni Riefenstahl. Rammstein distanzierten sich von den Vorwürfen des Rechtsextremismus und wurden 1995 durch eine Publikation des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen ganz offiziell als nicht rechtsextrem eingestuft.

International beliebt

Rammstein schoss nicht nur in Deutschland mit jedem weiteren Album an die Spitze der Charts, sondern erfreute sich weltweit immer größerer Beliebtheit. Die Independent-Filmikone David Lynch dürfte durch den Einsatz zweier Rammstein Songs in seinem Film „Lost Highway“ den Einzug neuer deutscher Härte in den Weltmarkt zusätzlich angekurbelt haben. Zum besonderen Schmankerl werden bei Rammstein auch die Live-Konzerte mit ausgefeilten, martialischen Bühnenshows. An Ideen und auch an Pyrotechnik wird nicht gespart, sodass ein Auftritt der Band zum echten Erlebnis wird. Bei der Performance des Songs „Rammstein“ scheute sich der Sänger beispielsweise nicht, sich selbst auf der Bühne anzuzünden – selbstverständlich gut geplant und mit einem Schutzanzug. Wer Fan der Musik ist und noch kein Live-Konzert miterleben konnte, sollte dies jedenfalls schleunigst nachholen.

Discographie (Alben)

1994: Herzeleid
1997: Sehnsucht
2001: Mutter
2004: Reise, Reise
2006: Völkerball
2009: Liebe ist für alle da

Weiterführender Link zum Thema „Rammstein“:

Homepage der Band:
http://www.rammstein.com

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