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Offene Rechnungen:

So schwächt die Euro-Krise das Gesundheitssystem

Pharmakonzern Roche stoppt Lieferung von Medikamenten an Krankenhäuser in GriechelandDer mediterranen Küche sagt man uni sono nach, dass sie die allerbesten und günstigsten Auswirkungen auf die Gesundheit habe. Das ist auch gut so – denn den hoch verschuldeten südlich gelegenen Euroländern wird außer ihrer salutogenen Kochkunst bald keine andere Medizin mehr übrig bleiben. Der Grund: Große Pharmaunternehmen, wie zum Beispiel Roche in der Schweiz, haben inzwischen keine Lust mehr, gutmütig geduldig auf einem stetig wachsenden Berg unbezahlter Rechnungen sitzen zu bleiben, und derweil immer neue kostbare Lieferungen für ein bargeldfreies „Vergelt’s Gott“ Richtung Mittelmeer zu entsenden. Das hat natürlich direkte Auswirkungen auf die Volksgesundheit der Griechen. Und wenn der Kahn der Wirtschaft im allenthalben blanken Euroland weiterhin so rapide absäuft, dann werden auch bald die Spanier, die Italiener und die Portugiesen in Sachen Arzneimittelversorgung in die Röhre gucken.

Die Schuldenkrise als staatliche Gesundheitsgefahr

Rösler hin, Merkel her – Griechenland ist heute de facto an sämtlichen Fronten zahlungsunfähig. Das ist keine tendenziöse gesellschaftszersetzende Hetze, sondern ein ganz nüchtern und objektiv zu konstatierender Tatbestand. Und der äußert sich zum Beispiel darin, dass die staatlichen Hospitäler Griechenlands ihre horrenden Medikamentenrechnungen schon seit langem nicht mehr zahlen können. Da wundert es nicht, dass den weltweit agierenden und dabei durchaus mit Gewinnerzielungsabsicht operierenden Pharmakonzernen inzwischen der Geduldsfaden gerissen ist. Als Konsequenz haben sich einzelne Pharmahersteller nun dazu entschlossen, die bankrotten staatlichen griechischen Krankenhäuser nicht mehr weiter zu beliefern.

Da stehen sich die von Privat und darum deutlich wirtschaftlicher betriebenen Apotheken der Hellenen wesentlich besser. Denn deren halbwegs akzeptable Zahlungsmoral lässt sie als Kunden für die Arzneimittelindustrie weiterhin attraktiv bleiben. Der Gelackmeierte in diesem Spiel ist allerdings der Grieche, dessen Gesundheit nicht so gut ist, wie sie sein sollte. So müssen beispielsweise Krebspatienten jetzt erst einmal in die Apotheke gehen, wo sie gegen ein entsprechendes Rezept das von ihnen benötigte Medikament erhalten können. Mit diesem Medikament begeben sie sich anschließend in die klamme Klinik, wo die fachgerechte Applikation der Arznei erfolgt. Ultraböse Zungen lästern allerdings schon dahingehend ab, dass dieser erhebliche Mehraufwand ein mehrheitlich arbeitsloses Volk wohl auch nicht weiter aus dem Tritt bringen könnte. Wer den Schaden hat, braucht eben niemals für den Spott zu sorgen.

Müssen nur die Griechen zu Kreuze kriechen?

Demonstration in Griechenland (Parlament Athen)Im Moment ja. Doch es zeichnen sich bereits weitere Kandidaten sehr scharf konturiert für finanzbedingte Medikamenten-Engpässe ab. Diese sind – ständige Beobachter des Eurozonen Schuldendebakels wird es nicht erstaunen – Spanien, Italien und Portugal. Denn auch diese Schuldenschwerenöternationen haben immer recht deftig bei den Pharmaunternehmen anschreiben lassen, und stehen jetzt mit Besorgnis erregenden Schulden tiefrot in der Kreide. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bevor Roche & Co. auch diesen verarmten Schluckern den Pillenhahn erst einmal zudrehen werden.

Pharmakonzerne müssen, wie alle anderen Unternehmen auch, wirtschaftlich denken und handeln. Wer hier noch an den Weihnachtsmann glaubt, oder gar dessen unbegrenzte Mildtätigkeit einfordert, ist ökonomisch fehl am Platz. Darum kann man Roche-Chef Severin Schwan eigentlich nur zu seiner Entschlossenheit und zu seinem Mut zu einer unpopulären Entscheidung gratulieren. Denn auch hier gilt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Weiterführender Link zum Thema:

EUROKRISE IN GRIECHENLAND – Roche stoppt Lieferung an Krankenhäuser
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/news/2011/09/19/roche-stoppt-lieferung-an-krankenhaeuser.html

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