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Staatsoberhaupt:

Unser neuer Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Dr. Joachim GauckWas lange währt… Wenn es nach den Sympathien in der Bevölkerung gegangen wäre, hätte Joachim Gauck vermutlich schon ab 2010 das Amt des Bundespräsidenten bekleidet. Damals setzte sich der von der Regierung favorisierte Christian Wulff knapp durch.

Als Wulff jetzt so unrühmlich seinen Abschied nahm, hätte ein erneutes Ringen und Feilschen um einen Präsidentenkandidaten die Bundesrepublik zusätzlich stark belastet. Die schnelle Einigung von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen auf Joachim Gauck ist der Wunsch, nach zwei zurückgetretenen Kurzzeitpräsidenten endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen ums höchste deutsche Amt.

Ob Gauck nun der Mann für Ruhe im Amt ist, wird sich zeigen. Vielleicht ist ‚Ruhe um das Amt’ aber die falsche Kategorie, um die Eignung eines Bundespräsidenten zu bemessen. Gaucks Lebenslauf zeigt, dass er seine Prinzipien und Überzeugungen zu vertreten weiß und nie der stille Mann im Hintergrund war.

Der Staat ist allgegenwärtig in Gaucks Leben

Geboren am 24. Januar 1940 in Rostock, musste Gauck schon in der Kindheit die Repressalien des DDR-Regimes erleben: Sein Vater wurde 1951 überraschend wegen angeblicher Spionage verhaftet und kehrte erst 1955 aus Sibirien zurück.

Weder gewünschte Studiengang Germanistik noch der Berufswunsch Journalist standen ihm offen, weil er als regimekritisch eingestuft war. Er wählt als Alternative das Studium der evangelischen Theologie in Rostock. Früh heiratete er seine Freundin Hansi, mit der er zwei Söhne und zwei Töchter bekam.

Die erste Anstellung Gaucks als Pfarrer erhielt er 1967 im ländlichen Raum um Lüssow, ab 1970 dann war es seine Aufgabe, eine Kirchengemeinde im Wohngebiet Rostock-Evershagen aufzubauen.

Aktenname „Larve“ – im Fokus der Stasi

Dass Gauck ab 1983 unter Beobachtung durch die Stasi stand, war wohl auch den Bestrebungen einiger Familienangehöriger zu verdanken, der DDR den Rücken zuzukehren: Sowohl die Schwester als auch drei seiner Kinder siedelten nach und nach in die Bundesrepublik über.

Hauptgrund für das Entstehen der dicken Stasiakte „Larve“ waren aber Joachim Gaucks sozialkritisches Engagement während der Leitung der Mecklenburger Kirchentagsarbeit ab 1982. 1989 begründete er das Rostocker Neue Forum mit und führte als Prediger und Sprecher des Forums Massendemonstrationen und Protestmärschen gegen das SED-Regime in Rostock an.

Die Gauck-Behörde

Als nach dem Mauerfall die erste freie Wahl zur Volkskammer der DDR erfolgte, ließ sich Joachim Gauck vom Bündnis 90 als Kandidat aufstellen und begann seine politische Karriere: Er wurde „Leiter des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit“, später „Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“, dann von 1991 bis 2000 Bundesbeauftragter in gleicher Angelegenheit. Die Behörde bekam im Volksmund seinen Namen: Gauck-Behörde. Seine Ehe blieb dabei schon früh auf der Strecke, 1991 trennte er sich von seiner Frau.

Die Erinnerungen wach halten

Auch nach dem Ausscheiden aus der offiziellen Verantwortung ist Joachim Gauck im Kampf „gegen das Vergessen“ aktiv, wie er es nennt. Als brillanter Redner und als Autor des Buches „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“ hält er die Erinnerungen wach an die Repressalien in der DDR-Zeit, an Missachtung von Menschenrechten und an die Wende von innen heraus. Zahlreiche Auszeichnungen ehren sein Engagement.

Als Bundespräsident ist jetzt ein deutlicher Blickwechsel von ihm gefordert: Es gilt, sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Journalistin Daniela Schadt, der Gegenwart zu stellen und die Augen auf Zukünftiges zu richten.

Foto: © J. Patrick Fischer

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  • Gaucks erste Rede war sehr erfreulich völlig weltanschauungsneutral.

    Im Gegensatz zu seinem zu Recht gescheiterten Vorgänger beendete Gauck seine Antrittsrede als neuer Bundespräsident nicht mit „Gott schütze unser Land!“ – oder ähnliches die Gesellschaft in Gottesgläubige und Nicht-Gottesgläubige Spaltendes.
    Vielmehr betonte er zum Schluss die Verantwortung von allen für „unser Land“. Dieses Wir-Gefühl kann nur bei sozialer Gerechtigkeit entstehen, wenn die Menschen die Überzeugung haben, dass es hier fair zugeht.

    Dies bedeutet im Weltanschauungsbereich, dass vor allem strikt die Weisung des Bundesverfassungsgerichts befolgt wird, dass der deutsche Staat „weltanschauungsneutral“ sein muss, da nur dann Deutschland eine „Heimstatt“ für alle sein kann – egal welche religiöse oder nichtreligiöse Weltanschauung sie haben.
    Diese erste Rede von Gauck als neuer Bundespräsident war für einen evangelischen Theologen überraschend und sehr erfreulich weltanschaulich völlig fair. Es kam kein einziges religiöses Wort vor.

    Ich hoffe, Herr Gauck macht so weiter – und dass er darüber hinaus sogar versucht, die vielen extrem ungerechten menschenrechtswidrigen christlichen Privilegien zu beseitigen, welche die Gesellschaft massiv spalten. Dann könnte er sogar ein sehr wichtiges Vorbild für ein neues, weltanschaulich faires Deutschland werden – und auch für viele andere Länder, in denen keinerlei friedensstiftende Weltanschauungsneutralität herrscht.

  • Petra Stephan

    Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen – glauben Sie mir: Wenn die Schwester in den Westen abgehauen ist, wenn die eigenen Kinder Ausreiseanträge gestellt haben und dann auch noch die DDR verlassen haben, dann war man in der DDR am Ende!! Aber Gauck nicht!! Das stinkt zum Himmel!!!