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Moderne Technologie:

Eine Brille, die weiß, was man sieht

Reiseführer zum Beschreiben von Sehenswürdigkeiten sind fast unverzichtbar. Künftig könnte der Job aber von einer Brille übernommen werden.

Futuristisch - ein Mann mit einer Brille wie aus dem Science Fiction Film.

Mobiler Reiseführer für Augen und Ohren – die Brille „Museum Guide 2.0“ weiß was man sieht. Bild: © fotolia.de

Die Science Fiction aus den Filmen rückt näher und immer mehr fiktionale Einfälle werden nach und nach zur Realität. So auch eine Brille, die selbständig Informationen einblenden kann und den Träger über eine Verbindung zu den Ohren mit Informationen versorgt. Unter dem Banner der Augmented Reality – der erweiterten Realität – wird die Brille mit dem Internet verbunden sein und lässt multimediale Inhalte mit der sichtbaren Realität verschmelzen. Verantwortlich dafür wird der Forschungsbereich Wissensmanagement des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern sein. Die Wissenschaftler entwickeln gerade Softwaretechnologien für Datenbrillen und mobile Eyetracker, die in unterschiedlichen Gebieten zum Einsatz kommen sollen.

Ein Prototyp wird bereits erprobt

In Kooperation mit dem Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) haben die Forscher um Professor Dr. Andreas Dengel bereits einen Prototypen der intelligenten Brille entwickelt. Unter dem Namen „Museum Guide 2.0“ bestimmt die Brille die Blickrichtung seines Trägers und erkennt, welches Objekt gerade betrachtet wird. Sobald das System das Interesse des Betrachters für das entsprechend Exponat erkennt, überträgt die Brille weiterführende Informationen über die integrierten Kopfhörer. Dabei ist es besonders wichtig, das Interesse des Betrachters so präzise wie möglich erkennen zu können, damit auch tatsächlich relevante Informationen zur Verfügung gestellt werden.

High Tech auf kleinstem Raum

Für die Technik der Brille kommt der mobile Eyetracker „SMI Eye Tracking Glasses“ des Teltower Herstellers SensoMotoric Instruments (SMI) zum Einsatz. Im Brillenrahmen ist eine kleine Kamera installiert, die das Blickfeld des Betrachters erfasst. Um die Blickrichtung zu ermitteln, sind zwei weitere Infrarotkameras auf die Augen des Trägers gerichtet. Die Software soll aus den ermittelten Daten spezielle Muster erkennen, die auf das Interesse des Brillennutzers schließen lassen. Die Experten nennen den Vorgang Aufmerksamkeitsanalyse und erhoffen sich dadurch ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten.

Erste Demonstration auf der CeBIT 2013

Auf der großen Technik-Messe soll die Brille mit einem weiteren Anwendungsgebiet, dem „Talking Places“, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Brille wird hierbei ortsbezogene Informationen zu Gebäuden und Sehenswürdigkeiten liefern und dem Nutzer einen interaktiven Besuch einer Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten ermöglichen. Basierend auf Geodaten soll die Brille Objekte selbstständig identifizieren und damit Eingabegeräte wie Smartphones ersetzen. Neben den akustischen Informationen arbeiten die Forscher auch an einer Möglichkeit, grafische Einblendungen der Realität in das Sichtfeld einzublenden. Hier könnte die Brille beispielsweise historische Bilder eines Gebäudes einblenden oder auch Wetterdaten und Wegbeschreibungen direkt vor das Auge projizieren. Wem das alles noch zu theoretisch ist, der kann die Brille am Stand des DFKI auf der CeBIT einfach einmal selbst ausprobieren und sich schon heute von der Technik von Morgen überzeugen.

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Über Stephan Lenz

Stephan Lenz studierte Philosophie, Soziologie und Anglistik an der Universität Mannheim. Es folgten schriftstellerische Fortbildungen und die freiberufliche Arbeit als Autor und Journalist. Neben unzähligen Artikeln in diversen Magazinen, veröffentlichte er Prosa im Charon Verlag, Hamburg, sowie im Wortkuss-Verlag, München. Er gehört seit vielen Jahren zum festen Stamm der Redaktion des Artikelmagazins.
  • Ich finde solche Erfindungen grausam und unnütz.
    Es gibt Menschen die Lieben den Beruf des Reiseführers, und können so eine führung wesentlich angenehmer gestalten als ein Stück Technik