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Konsumentenkredite:

Leben auf Pump – die Lust am Schuldenmachen

Die private Verschuldung in Deutschland steigt. Ein neues Wohnzimmer, Urlaub oder schnelleres Auto? Geht alles auf Kredit. Aber ist das sinnvoll?

Ein Leben auf Pump - Einkaufen auf Kredit.

Wer sich Dinge leisten möchte, muss entweder sparen oder hierfür einen Kredit aufnehmen. Bild: © fotolia.de

Wer ein Girokonto hat, kann es überziehen, um sich Dinge zu kaufen, die er sich grade nicht leisten kann. Das geht schnell, ist einfach, aber keinesfalls ratsam. Denn erstens ist Verzicht manchmal besser, und zweitens ist ein überzogenes Konto teuer. Als Faustregel gilt: Rutscht das Konto um mehr als zwei Monatsgehälter ins Minus, ist ein Konsumentenkredit zur Abzahlung die bessere Wahl. Grund: Die Zinsen beim Dispokredit, also der Überziehung des Girokontos, liegen bei gut zehn Prozent. Beim Konsumentenkredit sind sie deutlich niedriger. 2000 Euro kosten über zwölf Monate ab 2,89 Prozent effektiv. Das entspricht rund 31 Euro.

Effektivzins und Kreditkosten

Je mehr Geld man sich leiht, desto wichtiger ist der Vergleich der Kreditkosten. Dazu schaut man den Effektivzins an, denn: „Er weicht in der Regel von dem im Kreditvertrag angegebenen Nominalzins ab. In ihm sind alle weiteren Kosten enthalten, also zum Beispiel Bearbeitungsgebühren, Kreditvermittlungskosten oder Prämien für die Restschuldversicherung“, erklärt Sylvia Beckerle, Finanzfachfrau bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Das heißt: Je niedriger der Effektivzins bei gleicher Summe und Laufzeit ist, desto weniger kostet der Kredit.

Für den Kunden gilt außerdem: Je kürzer die Kreditlaufzeit, desto günstiger die Zinsen.

Und noch eine Regel: Die Lebensdauer des Konsumguts darf nicht kürzer sein als die Kreditlaufzeit. Es ist zwar praktisch, den 14tägigen Urlaub für die Familie über 24 Monate abzubezahlen. Aber von der Erholung ist schon lange nichts mehr zu spüren, wenn das Darlehen noch immer getilgt wird. Hinzu kommt: Wer einen Kredit aufgenommen hat, bekommt schwieriger einen zweiten – beispielsweise für die Auto- oder Baufinanzierung.

Je länger ein Kredit läuft, desto größer ist das Ausfallrisiko für die Bank. Darum verlangen viele in diesem Fall eine Restschuldversicherung als Sicherheit. Diese Police springt ein, wenn der Kreditnehmer beispielsweise arbeitslos wird und das Darlehen nicht mehr zurückzahlen kann. Sie verteuert den Kredit allerdings um einige Euro im Monat. Stellt sich übrigens erst nach Vertragsschluss heraus, dass eine andere Bank ein besseres Angebot gemacht hätte, muss es nicht zu spät sein. Das Zauberwort heißt Umschuldung. Denn wer einen Ratenkredit abgeschlossen hat, kann bereits sechs Monate nach der Auszahlung der Kreditsumme den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten kündigen (BGB §489) und ein neues, günstigeres Darlehen abschließen. Die Bearbeitungsgebühr für den Kredit in Höhe von etwa zwei bis drei Prozent ist jedoch in jedem Fall verloren. Das heißt, der Effektivzins muss beim neuen Kredit deutlich niedriger sein. Außerdem lohnt sich Umschulden am ehesten bei langen Restlaufzeiten und hohen Kreditsummen. Die Verbraucherzentralen helfen dabei, diese Situationen individuell durchzurechnen.

Wie viel Kredit kann ich mir leisten?

Um auszurechnen, in welcher Höhe ein Darlehen risikolos zurückgezahlt werden kann, müssen von allen Einnahmen zunächst alle Ausgaben abgezogen werden: Miete, Kosten für Benzin, Versicherungen, Nahrung, Kleidung oder den Babysitter. Steht der Betrag fest, zeigt sich, ob am Ende des Monats noch Geld übrig ist, um einen Kredit zurückzuzahlen. Reicht das Geld nicht aus, sollte man keinesfalls ein Darlehen aufnehmen, denn dann droht die Schuldenspirale.

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