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Geld macht nicht glücklich:

Wenn der Lottogewinn zum Alptraum wird

Im Geld schwimmen und trotzdem kein GlückManchmal trifft das Glück mitten ins Schwarze und einige Wenige, die ihren letzten Cent in einen Lottoschein investierten, ziehen das große Los und werden über Nacht zu Millionären. Bei der High Society sind Lottomillionäre zwar nicht angesehen, doch kann einem das wohl schnurzegal sein, wenn die Milliönchen freudig vom eigenen Konto winken. Doch dass es auch auf die Gesundheit und Persönlichkeit einen Einfluss nehmen kann, ob man sich so viel Geld hart erarbeitet oder durch riesiges Glück einfach mal so abstaubt, zeigten bereits tragische Fälle in der Vergangenheit, bei denen der große Geldsegen nicht wirklich viel Glück einbrachte.

Geld verändert die Menschen nicht, es zeigt nur den wahren Charakter

Wer träumt nicht davon über Nacht zum Millionär zu werden und dem drangsalierenden Chef fröhlich die Kündigung ins Gesicht zu schnauzen? Eben, aber dennoch bringt es nicht nur Gutes, wenn sich das Konto zu schnell füllt. Für manch tragischen Gewinner kann der schnelle Reichtum gar ein schnelles Ende mit sich bringen, so bei einem Fall in den USA, bei dem ein nur 37 Jahre alter Lotterie-Gewinner rund 3,5 Millionen US-Dollar einheimste und nur wenige Tage später einem Herzinfarkt erlag. Es sei der Stress gewesen, meinten Freunde und Angehörige des Gewinners. Gut, diese Auswirkungen dürfte ein Lottogewinn hoffentlich nur in den seltensten Fällen haben, doch birgt das große Geld weitere Risiken, um die man die Lottomillionäre nicht beneiden muss. Denn plötzlicher Reichtum ist auch eine Herausforderung, mit der man erst einmal klar kommen muss.

Verschwenderischer Umgang ist häufigstes Phänomen

Lottogewinn 6 aus 49 - Lottoschein ausfüllen und gewinnenBetrachtet man sich die Meldungen der letzten Jahre rund um die Lottogewinner genauer, wird ein Aspekt immer wieder deutlich. Viele der Gewinner beginnen ihr neues Leben damit, Geld in Massen zu verschleudern. Dem vernünftigen Anleger oder Sparer mag es ein Rätsel sein, wie man ein paar Millionen Euro innerhalb weniger Jahre verschleudern kann, doch gibt es zu viele Dinge, die einfach locken. In Hannover erlangte beispielsweise der arbeitslose „Lotto-Lothar“ fragwürdigen Ruhm. Im Jahre 1994 gewann der Mann umgerechnet rund zwei Millionen Euro und begann umgehend große Summen zu investieren: in teure Autos, Frauen, Partys und Alkohol zum Beispiel. Ein wahrlich freier und freizügiger Lebensstil entstand, der nach fünf Jahren zu einem jähen Ende führte und den Mann das Leben kostete. Ein Produkt der modernen Gesellschaft? Keineswegs, denn ähnliche Fälle gab es schon früher.

Das Lotto Pech hat eine lange Geschichte

Schon im Jahre 1956 war es kein einfaches, mit dem Lottogewinn vernünftig umzugehen. Der selbsternannte Lottokönig Walter K. gewann zu jener Zeit 500.000 Mark. Der Mann, der zuvor als Schausteller von der Hand in den Mund lebte, nutzte das Geld, um es von Beginn an ordentlich krachen zu lassen. Er heiratete seine Geliebte und ließ sich die Feier zum Einstieg in den Reichtum knackige 15.000 Mark kosten. Im Anschluss kaufte er sich ein Luxusauto und weil es sich die frisch angetraute wünschte, ein Hotel. Zur Eröffnung gab es dann erst einmal ein paar Tage lang Freibier für die Gäste, bis einer meinte, er müsste die Hausherrin begrabschen und in der Folge eine Flasche auf den Kopf bekam. Die Erlaubnis für den gastronomischen Betrieb wurde entzogen und man hängte kurzerhand ein Schild an die Tür: „Wegen Reichtum geschlossen“.

Mehr Glück bringt mehr Pech

Einen nicht geringen Teil des Reichtums kosteten damals die Dienste einer Frau, deren Liebesnest auf der Hamburger Reeperbahn  um die 100.000 Mark verschlang. Doch Walter K. wollte natürlich nicht untätig das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster werfen, sondern spielte weiter Lotto, um die schrumpfenden Finanzen wieder aufzustocken. Tatsächlich gewann der Mann auch noch einmal rund 300.000 Mark, doch ging er mit der Summe nicht behutsamer um als mit dem Gewinn zuvor. Man kaufte Autos, Pelzmäntel, Schmuck und Luxusgüter, solange, bis von dem Geld nichts mehr übrig war und man schließlich in einem Obdachlosenasyl landete. Und so führte der Lottogewinn vor mehr als einem halben Jahrhundert schon nicht zu einem glücklichen Ende.

Der Griff nach den Sternen

Selbstverständlich verschleudern nicht alle Lottogewinner gedankenlos ihr Geld oder treiben dank des neuen Reichtums dekadenten Raubbau an ihrem Körper. Aber auffallend viele gehen nach einer durchaus verschwenderischen Strategie vor. Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Jahre 1997, als ein Gewinner sein Geld zu schnell verschleuderte, aber langfristig trotzdem nicht mehr auf den Luxus verzichten wollte. Also wurde er kurzerhand zum Serieneinbrecher, wurde natürlich geschnappt und verbüßte 4 Jahre im Knast, anstatt im Drei-Sterne-Lokal. Insofern kann man nur jedem neuen Lottogewinner raten, auf dem Teppich zu bleiben und nicht gleich nach den Sternen greifen zu wollen. Denn dann kann man durchaus auch mit einem plötzlichen, großen Gewinn glücklich werden – garantiert.

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Über Stephan Lenz

Stephan Lenz studierte Philosophie, Soziologie und Anglistik an der Universität Mannheim. Es folgten schriftstellerische Fortbildungen und die freiberufliche Arbeit als Autor und Journalist. Neben unzähligen Artikeln in diversen Magazinen, veröffentlichte er Prosa im Charon Verlag, Hamburg, sowie im Wortkuss-Verlag, München. Er gehört seit vielen Jahren zum festen Stamm der Redaktion des Artikelmagazins.
  • Sehr schöner Artikel.

    im Fernsehen gibt es immer wieder Reportagen über Lottogewinner. Mal geben diese ihr Geld mit vollen Händen aus, mal denken sie sehr langfristig und legen das Geld konservativ an, wie ein Gewinner bei Schlag den Raab.

    Wenn man heutzutage 2 Mio. Euro gewinnt und sich das Geld gut einteilt, kann man lange davon leben. Nehmen wir an, man genehmigt sich jährlich 50000, dann sind das schon 40 Jahre. Zusätzlich kann man sich durch Zinsen, auch nach Abzug von Inflation, einiges Geld hinzuverdienen.