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Qualitätssiegel:

Made in Germany sollte eine Diffamierung sein

Ein britisches Handelsgesetz verhalf deutschen Produkten ungewollt zu hoher Wertschätzung. Wenn es aber nach der EU geht, soll aus dem Qualitätssiegel „Made in Germany“ bald ein „Made by…“ werden.

Das Gütesiegel deutscher Waren: "Made in Germany"Es war, um in der für Briten mehr als verständlichen Fußballersprache zu sprechen, ein klassisches Eigentor: Vor exakt 125 Jahren, Ende August 1887, verabschiedete London ein Handelsmarkengesetz, das zum inländischen Handelshindernis für Importware werden sollte. Es richtete sich ganz eindeutig in erster Linie gegen deutsche Produzenten und Exporteure, denen fortan auferlegt wurde, das Label „Made in Germany“ auf ihre Produkte zu schreiben, zu gravieren, einzuätzen. Die deutschen Waren wurden zwar nicht mit hohen Zöllen vom heimischen Markt ausgeschlossen, aber dem britischen Verbraucher sollte signalisiert werden,  „Achtung, was Du hier kaufst, ist zwar billig – aber auch von minderer Qualität“. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Gütesiegel für Präzision

Dieses Gesetz war vor allem auf Druck der Messerhersteller aus Sheffield zustande gekommen, die auf Maßnahmen gegen kontinentale Billighersteller drängten. Es war aber gerade jene Zeit, da die Mitteleuropäer, vor allem die Deutschen, in einer rasanten Aufholjagd für Qualitätsverbesserungen ihrer Produkte sorgten. Das merkten rasch auch die Verbraucher und sie wussten bald, jenes „Made in Germany“ war ein Qualitätssiegel geworden. Um beim Beispiel zu bleiben: Die Messer aus Solingen schlugen in der Gunst der Kunden bald weithin jene aus Sheffield. Das Label sorgte und sorgt dafür zu suggerieren, ein Gütesiegel zu sein, das weltweit nicht nur für Qualität, sondern auch für Zuverlässigkeit und Präzision steht.

Ein Label auch für Lösungskompetenz

Indessen ist nicht zu bestreiten, dass dieses Siegel im Lauf der Jahre Schrammen abbekommen hat. Vor allem für mittelständische Unternehmen hat es aber im weltweiten Konkurrenzkampf weiterhin ziemlich hohe Bedeutung. Darum macht sich hierzulande beispielsweise die “Deutsche Gesellschaft für Qualität“ ihre Gedanken. Das „Made in Germany“ müsse zukunftsfähig gemacht werden. Es sollte neben industriellen Produkten künftig auch für Dienstleistungen, Wissensproduktion und Lösungskompetenz stehen. Suggeriert werden solle, dass es „die Deutschen sind, die Probleme optimal lösen können“. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch.

Künftig ein „Made by…“?

Trotz seiner Erfolgsgeschichte steuert indessen dieses Label einer ungewissen Zukunft entgegen. In der EU-Kommission werden seit Kurzem nämlich Pläne diskutiert, das geltende Warenursprungsrecht zu ändern. So wird beispielsweise erwogen, eine neue Benennung „Made by…“ statt „Made in…“ einzuführen. Solche Überlegungen haben ihren Ursprung in der Entwicklung globalisierter Produktion. So beispielsweise, wenn Solinger Messer, zwar mit deutschem Know how, aber in Polen hergestellt werden.

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Über Klaus J. Schwehn

Nach 25 Jahren spannender Tätigkeit als Parlamentskorrespondent in Bonn (Badische Zeitung, Die Welt, Berliner Tagesspiegel) lebe ich heute in Oberitalien. Meine Arbeitsschwerpunkte sind Politik und Gesellschaft in Italien und Deutschland; aber auch Fragen der Europäischen Union.