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Zeitreise in die Vergangenheit

Werbeklassiker: Mit alten Werbespots auf vergnüglicher Zeitreise

Werbeklassiker: Werbung von gesternHalt, mein Freund – wer wird denn gleich in die Luft gehen? Mit diesen Worten, die Werbegeschichte geschrieben haben, wurde einstmals das Zigarettenpäuschen des HB-Männchens eingeleitet, welches die flatternden Nerven wieder zur gemächlichen Ruhe brachte. Man kann zu den gesundheitlichen Gefahren des Rauchens stehen, wie man will: Das HB-Männchen hat definitiv einen unvergänglichen Kultstatus erreicht. Und es ist nicht die einzige pensionierte Werbe-Ikone, die immer noch ihre treuen Fans hat. Doch was macht Großvaters Werbespots auch heute noch so spannend? Und warum sind die alten Schätzchen eine unerschöpfliche Fundgrube für Zeitgeistforscher?

Werbung hält jeder Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor

Werber wollen Umsätze pushen. Das war so, das ist so und das bleibt auch so. Doch das kann nur dann funktionieren, wenn die Werbung die Träume und Sehnsüchte ihrer Zielgruppe kennt, und daraus jenen unwiderstehlichen Cocktail aus Bildern und Stimmungen zaubert, der später zum Griff ins Regal führen soll. Dazu muss die Werbung aber so beschaffen sein, dass sich der potenzielle Kunde mit dem, was er da sieht und hört, sofort und vollen Herzens identifiziert. Und das wiederum klappt nur, wenn die Werbespots exakt jenen Ton treffen, der in der jeweiligen Gesellschaft und Generation die Gemüter zum Klingen und Schwingen bringt. Darum gibt es im Grunde genommen keine verlässlichere Informationsquelle über das, was die Volksseele bewegt und umtreibt, als die Werbung ihrer Zeit.

Weißer als weiß

Ja, es gab sie wirklich, die Zeiten der scharfen Geschlechterrollentrennung, in der die Frau nichts Wichtigeres kannte, als weiße Wäsche, ein gepflegtes Heim und einen satten und zufriedenen Ehemann und Vater ihrer pausbäckigen und artigen Kinder. Und wurde die Hausfrau mal aufmüpfig, weil der Göttergatte seine Zigarrenasche achtlos auf den frisch gesaugten Teppichboden fallen ließ, dann war sofort Frauengold zur Hand, das Tonikum für die moderne Frau. Hauptinhaltsstoff: hochprozentiger Ansatzwein. Heute lacht man herzlich, wenn man das sieht. Aber: Was war das wohl für eine Gesellschaft, in der Frauen vorsätzlich angeheitert wurden, damit die Launen des Hausherren erträglicher wurden? Wer dieser Frage neugierig nachgeht, der wird alte Werbung bald mit den wachen Augen eines Soziologen sehen können.

Zwei kleine Italiener

Als man im späten Nachkriegsdeutschland endlich mal wieder „wer war“, durfte das Fernweh wieder sein urlaubsreifes Haupt erheben. Davon profitierte aber nicht nur die unmittelbar betroffene Automobilbranche, sondern auch die Tabak- und Lebensmittelindustrie. Da wehte plötzlich der Duft der großen weiten Welt durch das von Rauch geschwängerte Herrenzimmer, und der „Toast Hawaii“ sorgte für exotische Aloa-Phantasien auf dem heimischen Teller. Ganz wilde junge Leute suchten ihre Bestimmung im „sexy mini super flower pop op cola“, mit dem sie ihren Geist im Glas an ferne Gestade spülen konnten. Ganz egal, ob „Speis oder Trank“ – Hauptsache ganz anders, recht fremdländisch und möglichst weit weg.

Mit dem Suchstichwort „alte Werbung“ kann man auf YouTube reichlich fündig werden. Es lohnt sich wirklich, hier mal auf den Spuren der eigenen Zeit- und damit Lebensgeschichte zu wandeln. Das pure Retro-Vergnügen wartet hier auf alle, die mal wieder ein paar alte Zeitgeister aus der Flasche des Vergessens befreien wollen.

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