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Muskeldysmorphie:

Adonis-Komplex – Eine psychische Störung nur für Männer

Auch Männer können dem Körperkult und Schönheitswahn verfallen. Eine besondere Form ist die Muskeldysmorphie auch bekannt als Adonis-Komplex.

Muskeldysmorphie - der Adonis-Komplex bei MännernDen eigenen Körper mit krankhafter Sportsucht und mit immer winzigeren Portionen immer noch dünner und immer noch drahtiger zu kriegen, hat schon ungezählte unglückliche Frauen wahlweise in die Psychiatrie oder ins Grab gebracht. Was die bierbäuchigen und wenig eitlen Herren der Schöpfung einstmals mitleidig belächelt haben, ist, dem Zeitgeist sei Undank, inzwischen auch im maskulinen Lager angekommen. Man kann es mit spitzer Zunge als gerechten Akt der Gleichberechtigung bezeichnen; man kann es aber auch beim wissenschaftlichen Namen „Muskeldysmorphie“ nennen, oder den umgangssprachlich etablierten Ausdruck „Adonis-Komplex“ gebrauchen. So der so – auch Männer schaffen es jetzt mühelos, das gesunde Gefühl für den eigenen Körper und für das eigene Gewicht in psychopathologischer Verkennung aus dem Gesichtsfeld der Realität zu verlieren.

Mehr Muskeln, mehr schlank – mehr schön?

Seit Frauen mit ihren Ansprüchen an die Ästhetik des Mannes nicht länger hinter dem Berg halten, zieht es viele moderne Vertreter des starken Geschlechtes in Mucki-Buden. Waschbrettbauch, Sixpack, ein knackiger Po und „V Shape“ – das ist es, was coole Typen heute haben und anspruchsvolle Ladies sehen wollen. Dafür muss man natürlich hart arbeiten, jede Menge Eisen fressen, und dem Fettgewebe beherzt zusetzen. Nun ist es natürlich kein Verbrechen, sich als Mann fit und in Form zu halten, regelmäßig zu duschen, und auch der Haut ab und zu mal eine kosmetische Pflege zu spendieren. Doch wenn der Wunsch nach dem ultimativen Body aus der Bahn kommt, dann erhebt der Adonis-Komplex sein psychisch verwirrtes Haupt. Ab da heißt es: Man(n) muss immer noch mehr Muskelaufbau betreiben, man(n) sieht nie zu durchtrainiert aus und man(n) ist nie zu schlank. Gefährliches Übertrainieren, der Griff zu mehr oder weniger verbotenen Aufbaupräparaten sowie ein Abrutschen in die Magersucht sind die bedrohlichen Folgen. Und die führen direkt in einen Teufelskreis männlicher Machart. Denn wer am Adonis-Komplex leidet, erlebt sich selbst nie als gut genug, und tut sich in der Folge immer noch mehr selbst gewählte ungesunde Grausamkeiten an.

Nebenwirkungen?

Jede Menge. Denn wenn der Mann so übermenschlich schlank und gut gebaut ist, muss natürlich auch alles andere absolut perfekt sein. Da heißt es: Kosmetisch störende Körperbehaarung sofort und ratzekahl und möglichst ein für alle Mal entfernen, wo und wie auch immer. Oder den Schönheitschirurgen wahlweise um ein wenig Silikon oder eine Fettabsaugung für jene Körperteile bitten, die trotz härtesten Trainings partout keine Modelmaße annehmen wollen. Natürlich muss auch das ständig präsente nagende Hungergefühl bekämpft werden. Zu diesem Problem findet der Psycho-Adonis auch schon mal die eine oder andere illegale Lösung aus der Wunderwelt der illegalen psychotropen Substanzen. Und ehe der schöne Mann es sich versieht, steht er mit einem Bein im Gefängnis und mit dem anderen bei Freund Hein auf der Türschwelle. Aber immerhin: „A schöne Leich“ würde der komplett entfettete Muskelberg schon noch abgeben.

Fazit

Den Adonis-Komplex muss man als psychische Störung sehr ernst nehmen, da er die Betroffenen in ernsthafte Gefahr bringt. Da eine spontane Krankheitseinsicht hier nicht erwartet werden kann, ist es wichtig, die Augen im eigenen Umfeld offen zu halten. Und sich im Verdachtsfall als Freund rechtzeitig zu engagieren.

Buchtipp: Harrison G. Pope, Katharine A. Phillips & Roberto Olivardia: Der Adonis-Komplex. Schönheitswahn und Körperkult bei Männern; Taschenbuch: 356 Seiten; Verlag: Dtv (2001); Sprache: Deutsch; ISBN-13: 978-3423242493; Preis (gebraucht) ab 18,44 Euro

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