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Schwere Depressionen:

Anhedonie – Versiegen der Lebensfreude

Die Anhedonie ist eine schwere Form der Depression. Menschen, die unter dieser psychischen Störung leiden, verlieren die Lust am Leben.

Die Anhedonie nimmt jegliche Lebensfreude.

Starke Deperession – die Anhedonie ist eine psychische Störung – bei der man Unlust verspürt. Bild: © fotolia.de

Jeder hat mal einen schlechten Tag, an dem persönlicher Weltschmerz und seelischer Haarspitzenkatarrh das Aufkommen guter Laune und praller Lebenslust nachhaltig behindern. Doch normalerweise folgt auf diese flüchtigen dunklen Schatten über dem Gemüt bald auch wieder heiterer Sonnenschein, in dessen Licht das Leben wieder leicht ist und Spaß macht. Leider kennen die klinische Psychologie und die Psychiatrie aber auch bedauernswerte Schicksale, in denen die Lebensfreude komplett auf der ganzen Linie in einem schwarzen Loch verschwindet, und von dort aus freien Stücken nicht wieder auftaucht. Dann sprechen Ärzte und Therapeuten vom Syndrom der Anhedonie. Doch wie kann es passieren, dass ein Mensch seiner kompletten Freude am Leben so grausam beraubt wird? Und was kann dagegen unternommen werden?

Unlust mit griechischen Wortwurzeln

Der Begriff „Anhedonie“ stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Bedeutungskomponenten „an“ (=nicht) und „hedoné“ (=Lust) zusammen. Wer mit den Worten „Hedonie“ und „Hedonismus“ etwas anfangen kann, wird sofort die inhaltliche Verbindung zu der „Lustlehre“ des Philosophen Epikur sehen. Anhedonie ist demzufolge die komplette Abwesenheit des natürlichen menschlichen Strebens nach Lust. Wie grausam und verzweiflungsvoll sich das für Betroffene anfühlen muss, kann ein psychisch gesunder Mensch nicht einmal ansatzweise ahnen.

Dass die Anhedonie ein zentrales Merkmal einer schweren, klinisch relevanten depressiven Erkrankung ist, lässt sich leicht denken. Doch auch Menschen, die dem Tod ins Auge geblickt haben, können im Rahmen eines „Überlebenden-Syndroms“ eine Anhedonie entwickeln. Dann äußert sich dieses psychopathologische Symptom als eine tief greifende und zeitstabile Unfähigkeit, sich Vergnügungen und Zerstreuungen hinzugeben. Bei besonders schweren Verläufen kann es sogar zu einer Hedonophobie kommen: Einer krankheitswertigen Furcht vor allem, was Spaß und Freude bringen könnte. Der Hedonophobiker meidet sämtliche Sachen, Situationen und Orte, durch die oder an denen er Freude oder Spaß haben könnte. Und gelingt ihm diese konsequente Verhinderungstaktik einmal nicht, sodass eventuell doch der eine oder andere Mundwinkel sich zuckend zu einem Lächeln erhebt, dann empfindet der an Hedonophobie Erkrankte sofort quälende Gefühle der Scham, der Schuld und der Angst. Gewisse phänomenologische Parallelen zu extremst religiösen Personen liegen dabei durchaus im deskriptiven Rahmen des Krankheitsbildes.

Wodurch wird Anhedonie verursacht?

Neben Depressionen und traumatischen Erlebnissen können auch Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis zur Anhedonie führen. Dort läuft dieser Zustand unter dem Stichwort „Minussymptomatik“. Nicht unbedingt krankheitswertig, aber dennoch auffällig, können sich anhedone Zustände auch bei der schizoiden Persönlichkeit zeigen. Und auch schwere Suchtentwicklungen, sowohl stofflicher als auch nichtstofflicher Süchte, können den Betroffenen jegliche Lebensfreude nehmen. Besonders deutlich kann das bei Patienten mit langjährigem Missbrauch von psychotropen Substanzen mit stark stimulierenden Effekten (z.B. Kokain) beobachtet werden.

Wie kann die Medizin helfen?

Je nachdem, welche Ursachen für das Bestehen einer Anhedonie ermittelt werden, können psychopharmakologische und/oder psychotherapeutische Therapieansätze, aber durchaus auch spirituell basierte Maßnahmen eingeleitet werden. Letztere eignen sich in besonderer Weise für all jene Personen, bei denen die Lustlosigkeit durch eine schmerzlich gefühlte fortschreitende Sinnentleerung der eigenen Existenz bedingt scheint. Wer sich für diese Denkfigur erwärmt, den Boden wissenschaftlicher Behandlungsmöglichkeiten aber nicht verlassen will, der sollte sich zum Stichwort „Logotherapie“ informieren.

Buchtipp: Hans Heimann: Anhedonie. Verlust der Lebensfreude. Ein zentrales Phänomen psychischer Störungen; Broschiert: 148 Seiten; Verlag: Urban & Fischer Verlag (1990); ISBN-10: 3437005855; ISBN-13: 978-3437005855; Preis ab 8,99 Euro

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