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Suizidrisiko:

Schmerzen sind häufig Auslöser für Suizid

Psychische Erkrankungen und Suizid werden meist in einem Atemzug genannt. Dabei spielen Schmerzen eine große Rolle. Eine Studie aus den USA.

Schmerzen treiben Menschen oft in den Suizid.

Menschen die unter starken Schmerzen leiden, begehen häufig aus Verzweiflung einen Suizid. Bild: © pa / maxppp

In Deutschland begehen nach offiziellen Zahlen jedes Jahr ungefähr 10.000 Menschen erfolgreich einen Suizid – das sind deutlich mehr Personen als im Straßenverkehr zu Tode kommen. Zudem betrifft nach Studien der Weltgesundheitsorganisation ein Suizid mindestens sechs andere Menschen – der Selbstmord ist also mitnichten ein gesellschaftliches Randphänomen. Und doch wissen die meisten kaum etwas über die Gründe: Psychische Erkrankungen werden meist genannt, so falsch ist das auch nicht. Über einen aber ebenso wichtigen Grund berichten US-amerikanischer Wissenschaftler im Mai 2013 in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry – Schmerzen.

Schmerzen treiben in den Suizid

Als Gründe für einen Selbstmord sind psychische Erkrankungen hinlänglich bekannt, am ehesten Depressionen. Etwas weniger bekannt ist, dass auch Menschen mit Krebserkrankungen ihrem Leben häufiger vorzeitig ein Ende setzen, besonders wenn die Heilungschancen gering sind oder die Erkrankung mit großen Schmerzen oder Beeinträchtigungen der Lebensqualität einhergeht.

Die Wissenschaftler aus den USA interessierte über die bekannten Zusammenhänge hinaus, ob es auch eine Verbindung zwischen nicht krebsassoziierten Schmerzzuständen und einem Suizid gibt. Dazu nutzten die Forscher um Mark A. Ilgen die Daten von 4.863.086 Menschen – ihnen allen wurde 2005 eine Schmerzerkrankung bescheinigt. Hierbei handelte es sich um Arthritis (Gelenkentzündungen), Rückenschmerzen, Migräne, Neuropathie (Nervenschmerz), Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Fibromyalgie oder psychogenem Schmerz.

Wer tot ist, hat keine Schmerzen mehr

Nach Auskunft des National Death Index begingen 2.838 der untersuchten Menschen im Studienzeitraumes von 2006 und 2008 einen Suizid. Nach Berücksichtigung demographischer Faktoren wie Alter und Geschlecht und parallel bestehender Begleiterkrankungen stellte sich heraus, dass Schmerzpatienten, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, ein erhöhtes Suizidrisiko aufweisen. Allerdings machten zwei Schmerzerkrankungen hier eine Ausnahme – wer an Gelenkentzündungen und Nervenschmerzen litt, beendete sein Leben nicht schneller als andere. Und es gab Abstufungen: Es brachten sich weniger Rückenschmerzpatienten um als solche mit einem psychogenen Schmerz.

Schmerz macht auch ohne psychische Störung mürbe

Die Zahlen wurden von den Wissenschaftlern ein weiteres Mal durch die Statistik geschickt und diesmal um psychische Erkrankungen bereinigt. Aber auch nach Ausschluss von Substanzmissbrauch, bipolaren Störungen, Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Schizophrenie blieb der Zusammenhang bestehen – zwar etwas weniger deutlich, aber trotzdem signifikant. Auch jetzt noch wiesen Patienten mit Rückenschmerzen ein erhöhtes Suizidrisiko auf, Menschen mit Migräne ein noch größeres und Betroffene von psychogenem Schmerz das höchste.

Eins wird aus dieser Studie klar: Das Augenmerk von Ärzten und Umfeld in Sachen Suizid sollte nicht einseitig auf Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Krebs liegen, auch Schmerzpatienten sollten gelegentlich mal über ihre Zukunftspläne befragt werden. Denn in Studien der Weltgesundheitsorganisation zeigte sich auch, dass die meisten Suizidanten ihre Absichten vorher kundtun – wenn auch verschlüsselt und deshalb oft nicht so leicht zu erkennen. Denn: Ein Suizid im Vorfeld zu identifizieren kann viel Leid ersparen.

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Über Manuela Käselau

Manuela Käselau ist Physiotherapeutin und Shiatsu-Praktikerin (GSD).
Parallel studierte sie Phonetik, Niederdeutsche Linguistik und
Systematische Musikwissenschaft an der Universität in Hamburg. Als freie Autorin schreibt sie für diverse Online- und Printmedien, hauptsächlich im medizinischen Bereich. Seit 2012 ist sie ein Mitglied der Redaktion.

  • Uwe G.

    Kann nur zustimmen,habe seit über 2 Jahren Schmerzen im ganzen Körper besonders im Rücken mit ausstrahlen in die Gliedmaßen. Es wird rumgedocktert und nichts hilft.Rente wurde abgelehnt.Irgendwann steckt man dann den Kopf in den Sand.Kann jeden verstehen der sich dann irgendwann das Leben nimmt.